• wenkekroschinsky

Die Berufung, die Bestimmung

Seit ein paar Wochen beschäftige ich mich mit dem Konzept der Berufung beziehungsweise der Bestimmung. Einmal darauf gestoßen, lässt es mich nicht wieder los. Ich habe viel dazu recherchiert, im Internet gelesen, Podcasts gehört. Und je länger und je intensiver ich in dieses Thema eingetaucht bin, umso mehr Fragen wirft es bei mir auf. Ich frage mich, was das eigentlich ist, die eigene Bestimmung? Und wie und wo findet man sie? Und woran merke ich, dass ich sie noch nicht gefunden habe oder dass ich bereits entsprechend meiner Bestimmung lebe? Fragen über Fragen, welche mich schon die ein oder andere Nacht wach gehalten haben, welche mich in meinem täglichen Tun verunsichern und mich bei Zukunftsplänen hemmen. Um diesen Zustand zu beenden oder um wenigsten den Antworten auf diese Fragen ein kleines Stück näher zu kommen, widme ich jetzt meine Zeit für die eigene persönliche Weiterentwicklung diesem Thema. Doch zuerst versuche ich kurz zusammenzufassen, was ich bereits weiß.


Woran merke ich, dass ich nicht nach meiner Bestimmung lebe?


Die Folgenden Beschreibungen sind Berichte von Personen im Internet und von Personen, mit denen ich gesprochen habe und meine eigenen Erfahrungen und Empfindungen.


Die meisten beschreiben, sie fühlen sich gestresst, überfordert, ihnen mache nichts Spaß. Sie gehen nur ihren Job nach, weil sie Geld verdienen müssen. Sie fühlen sich wie in einem Hamsterrad gefangen, sie laufen und laufen und kommen nie an und auch schnelleres Laufen bringt sie nicht an ihr Ziel. Sie funktionieren und erleben sich in einem Wettbewerb, in dem es darum geht, wer mehr arbeitet, wer mehr Geld nach Hause bringt, wer mehr Freunde hat und so weiter. Sie berichten, sie kaufen sich alle möglichen Dinge, Kleidung zum Beispiel, doch nach einem nur kurz andauernden Glücksgefühl verspüren sie eine große innere Leere, ein Loch, welches sie versuchen, mit neuen materiellen Dingen zu füllen. Sie fühlen sich in einen ewig andauernden Kreislauf aus Konsumieren und kurzer Befriedigung gefangen und haben keine Ahnung, wo und wie sie diesen Teufelskreis verlassen können.


Manche berichten, sie würden den ganzen Tag schauspielern, würden den Menschen in ihrer Umgebung nicht ihr wahres Gesicht zeigen, aus Angst, den Erwartungen der Anderen dann nicht mehr zu entsprechen. Sie schlüpfen in Rollen, welche sie Tag für Tag ausführen, perfektionieren und manche identifizieren sich mit diesen Rollen so sehr, dass sie sich selbst als fremd empfinden. Sie fühlen sich im Vergleich zu anderen Menschen minderwertiger, nicht gut genug, nicht richtig und deswegen müssen sie weiter schauspielern, dürfen ihre Schwächen und Fehler nicht zeigen und die Fassade darf um keinen Preis der Welt bröckeln.


Wieder andere erzählen, sie müssen ständig etwas erleben, etwas Tolles machen, sich unterhalten lassen. Sie berichten, sie fürchten die Langeweile, die Stille, diese könnten sie kaum ertragen. Also sorgen sie dafür, dass sie permanent abgelenkt sind, durch Kino, Fernsehen, Theater, Musicals, Städtereisen, Festivals, Urlaube und so weiter.


Und dann gibt es noch die Menschen, welche sich zu nichts oder fast nichts aufraffen können. Sie sind ohne Antrieb, ohne Lust, haben kaum noch Interessen, fühlen sich müde und erschöpft, haben keine Kraft, nichts kann sie erfreuen. Freunde und Bekannte empfinden sie als störend, anstrengend und sie ziehen sich immer mehr in ihre vier Wände und auch in sich selbst zurück.


Andersherum gefragt, woran merke ich, dass ich nach meiner Bestimmung lebe?


Irgendjemand meinte, man lebe nach seiner Bestimmung, wenn man jeden Abend, wenn man ins Bett geht, es kaum erwarten kann, wieder aufstehen zu können, um seine Arbeit fortzusetzen. Deine Arbeit fühlt sich nicht nach Arbeit an, sondern geht dir leicht und beschwingt von der Hand, macht dir mehr Spaß als alles andere. Und da du faktisch nicht mehr arbeitest, brauchst du auch keinen Feierabend, kein Wochenende, keinen Urlaub. Es fällt dir nicht schwer, auf die sogenannte „Freizeit“ zu verzichten, um an deinem Projekt weiter zu arbeiten. Eine große Lust und Freude am Leben wird empfunden.


Wiederrum andere beschreiben es als ein Gefühl des Ankommens, des inneren Friedens, der Ruhe, der Leichtigkeit und Gelassenheit. Eine Zufriedenheit stellt sich ein, welche sich auch durch schlechte Nachrichten oder negativen Ereignissen nicht erschüttern lässt. Man fühlt sich mit sich selbst wohl, von Selbstliebe und Selbstvertrauen ist die Rede.


Was meint man mit dem Begriff „Bestimmung“?


Alles, was ich bisher gelesen oder gehört habe, übersetzt Bestimmung mit dem Sinn des eigenen Lebens, mit den Fragen:


               Warum bin ich auf dieser Welt?

               Was ist meine Aufgabe für die Zeit, die ich hier auf diesem Planeten bin?

               Was kann ich der Welt geben, was sonst kein anderer auf diese Art und Weise kann?


Wobei die Antworten auf diese Fragen je nach wissenschaftlicher Betrachtungsweise unterschiedlich ausfällt. Darüber einen Abriss zu schreiben, würde einer Lebensaufgabe gleichkommen, deswegen probiere ich es erst gar nicht.


Wie und wo finde ich meine Bestimmung?


Leider ist die Antwort auf diese Frage nicht so einfach, wie ich es gerne hätte. Wenn man einmal angefangen hat, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, findet man unfassbar viele „Anleitungen“, wie man nun seine ureigene Bestimmung aufspüren kann. Selbst die Anleitungen sind keine Step-by-Step-Handlungsvorgaben, sondern für mich auf den ersten Blick schwammig formuliert, nicht griffig, nicht fassbar und bisher für mich frustrierend. Da ich allerdings früher oder später immer wieder zu dieser Frage „Was ist meine Bestimmung?“ zurückkomme, werde ich mich auf eine Reise begeben. Eine Reise durch all die Tipps und Vorschläge, welche mir helfen sollen, meine Berufung zu finden. Und an dieser Reise möchte ich Sie teilhaben lassen, indem ich hier auf meinem Blog von den einzelnen Etappen und Erkenntnissen berichten werden.


Für mich ist wichtig, dass alle Ebenen der menschlichen Veränderung angesprochen werden: die Gedanken, die Gefühle (welche sowohl über die Gedanken, als auch über das Unterbewusstsein angesprochen werden), der Körper und das Verhalten.

Ich persönlich bin eher ein Kopf-Mensch, gehe bei fast allem sehr analytisch und logisch vor. Ich löse zum Beispiel Entscheidungsschwierigkeiten, indem ich mir eine Pro-Kontra-Liste schreibe. Eher selten würde mir einfallen, auf mein Bauchgefühl zu hören.


In meinen Selbsterfahrungen, welche ich im Zuge der Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin durchlaufe, kam ich immer wieder mit unterschiedlichen meditativen Techniken in Berührung und war oft über die Wirkung bei mir überrascht. Da ich mich ja nun schon eine Weile mit der Suche nach der Bestimmung beschäftige und diese Suche fast ausschließlich über meine analytischen Fähigkeiten stattfand und ich bisher noch keine wirklich befriedigenden Ergebnisse erzielen konnte, vermute ich, dass ich den Weg über mein Unterbewusstsein mit gehen sollte.


Unter der körperlichen Ebene verstehe ich, dass man zum Beispiel über die Atmung oder über Body-Scan-Übungen beziehungsweise an diesen Übungen angelehnte Erfahrungen körperliche Veränderungen wahrnehmen und interpretieren lernt. Ich bin mir absolut sicher, dass jedes körperliche Symptom auch eine versteckte Botschaft über den Zustand unserer Psyche enthält. Wenn ich zum Beispiel unter Nackenverspannungen leide, dann weiß ich, dass ich mir zu viele Aufgaben aufgeladen habe und anstatt noch mehr Verpflichtungen einzugehen, sollte ich eher realisieren, meinen übervollen To-do-Rucksack auszupacken und Dinge abzugeben.


Was meine ich mit Veränderungen auf der Verhaltensebene? Es nützt all das Wissen nicht, wenn wir nicht ins Handeln kommen. Jede noch so gute Veränderungsintention ist nutzlos, wenn wir sie im Alltag nicht umsetzen und integrieren. Das Internet ist voll von Selbstoptimierungstechniken und Coaches, welche versprechen, dass ihre Technik dem Kunden zu einem besseren Leben verhelfen werde. Schon seit langem frage ich mich, wie das geht, dass das Angebot an Coaching so enorm groß sein kann. Die einzig logische Antwort ist, dass es genug Personen gibt, die diese Coaches buchen, also dass die Nachfrage dementsprechend hoch ist. Darauf schließt sich für mich die nächste Frage an: Warum ist diese Nachfrage so hoch? Hier habe ich mehrere Erklärungen, aber eine ist, dass ich vermute und in meiner täglichen Arbeit mit Klienten sehe, dass viele Interventionen verpuffen, weil sie von den Ratsuchenden nicht in die Tat umgesetzt werden. Ich selbst bin da keine Ausnahme. Es ist für fast jeden schwer, neue Gewohnheiten, Routinen und andere Verhaltensweisen am Anfang in den Alltag zu implementieren.


Wenn Sie mögen, begleiten Sie mich auf meiner Reise zu meiner Bestimmung. Auch wenn ich im Moment noch nicht weiß, ob ich jemals dort ankommen werde, so hoffe ich, dass das neu erworbene Wissen, neue Erkenntnisse und hilfreiche Übungen mich in meiner persönlichen Weiterentwicklung unterstützen werden und dass meine Berichte darüber vielleicht auch für Sie, die mein Geschriebenes lesen, nützlich sein können. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mit mir Ihre Erfahrungen mit der Suche nach Ihrer Bestimmung teilen würden. Schreiben Sie hierfür einen Kommentar unter diesen Post. Natürlich dürfen Sie auch gerne Fragen stellen und Hinweise geben.


Vielen Dank, dass Sie sich für das Lesen dieses Posts Zeit genommen haben.


Herzlichst, Wenke Kroschinsky

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