top of page
  • wenkekroschinsky

Soziale Kontakte und ihre Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit

1. Teil: Welche Art von sozialen Kontakten tun uns gut?


Beziehungen zu anderen Menschen tun uns (fast immer) gut. Wir Menschen sind für die Gemeinsamkeit gemacht, wir brauchen einander.


Wissenschaftliche Untersuchungen haben festgestellt, dass Menschen mit gesunden sozialen Kontakten weniger unter psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen und Ängsten leiden. Außerdem helfen uns gute Beziehungen, Stress abzubauen und unser Selbstwertgefühl zu verbessern.


Wie du dir aber sicherlich denken kannst, ist nicht jede Beziehung per se förderlich für unser psychisches Wohlbefinden. Soziale Kontakte haben unterschiedliche Qualitäten. So können manche menschlichen Verbindungen angenehm, unterstützend, entlastend und uns zuträglich sein. Andere wiederum rauben uns Energie, sind anstrengend, fühlen sich schwer an und ermüden uns.


Deswegen möchte ich dich dazu einladen, einmal zu überprüfen, welche sozialen Kontakte du hast und ob sie dir dienlich sind oder ob sie dir eher Kraft kosten.


  1. Schreibe all deine Kontakte, welche du in einer durchschnittlichen Woche hast, auf.

  2. Markiere dir die Kontakte mit Grün, welche dir guttun.

  3. Markiere dir die Kontakte mit Rot, welche dir Energie rauben.

  4. Überlege, wie du deine Woche so gestalten kannst, dass du mehr „grüne“ als „rote“ Kontakte hast.


„Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.“

Zitat von Carl Spitteler, Dichter und Schriftsteller, Schweiz



2. Teil: Wie viel soziale Kontakte braucht der Mensch?


Bevor wir schauen, ob du eher ein Rudel- oder ein Einzelgänger-Typ bist, gibt es noch ein paar wissenschaftliche Befunde zu sozialen Kontakten:


Eine bekannte Studie, die über mehrere Jahrzehnte hinweg durchgeführt wurde, ist die sogenannte "Harvard Study of Adult Development". Diese Langzeitstudie hat gezeigt, dass gute soziale Beziehungen einen signifikanten Einfluss auf die körperliche und psychische Gesundheit haben. Menschen mit starken sozialen Bindungen hatten eine höhere Lebenserwartung, waren weniger anfällig für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hatten insgesamt eine bessere Lebensqualität.


Eine Studie, vom Bundesfamilienministerium beauftragt, konnte zeigen, dass ein gut ausgebautes und funktionierendes soziales Netzwerk sich positiv auf die Demenzsymptomatik auswirkt.


Es gibt auch Studien, die sich mit den Auswirkungen von sozialer Isolation und Einsamkeit auf die Gesundheit befassen. Einsamkeit kann zu einem erhöhten Risiko für psychische Probleme wie Depressionen und Angstzustände führen und auch das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen chronischen Erkrankungen erhöhen.


Insgesamt deuten viele Studien darauf hin, dass gute soziale Beziehungen einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben können. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass jeder Mensch individuell ist und dass die Auswirkungen sozialer Bindungen auf die Gesundheit von verschiedenen Faktoren abhängen können.


Ein individueller Faktor, wie viel soziale Kontakte bei dir gesundheitsförderlich sind, ist die Ausprägung der Persönlichkeitseigenschaft „Extraversion“. Menschen mit einem hohen Ausprägungsgrad in Extraversion bewegen sich am liebsten in größeren Menschenmengen. Sie mögen und suchen den kommunikativen Austausch, stehen gerne im Mittelpunkt, sind oft redegewandt und mögen es, vor Publikum zu sprechen. Sie brauchen den menschlichen Kontakt und ziehen daraus ihre Lebensenergie. Sind sie für eine längere Zeit alleine, werden sie traurig 🙁, unruhig und wissen nichts mit sich anzufangen.


Introvertierte Menschen hingegen richten ihre Aufmerksamkeit lieber auf ihr eigenes Innenleben, denken gerne nach, mögen wenige, dafür aber tiefgründige Gespräche, stehen ungern im Mittelpunkt, bewegen sich zwischen Menschen eher still und zurückhaltend. Introvertierte fühlen sich häufig nach langen und vielen sozialen Kontakten ausgelaugt, müde 🥱 und gereizt. Sie genießen das Alleinsein und können dies ohne Schwierigkeiten für einen längeren Zeitraum aushalten.


Schau mal, in welchen Beschreibungen du dich eher wiederfindest. Und je nachdem, was auf dich zutrifft, benötigst du mehr oder weniger soziale Kontakte, um in deiner Kraft zu bleiben.



„Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert als die Bewunderung der ganzen Welt.“

Zitat von Otto von Bismarck, erster Reichskanzler des deutschen Reiches, 1815-1898



3. Teil: Die „liebende Güte“ -Meditation


Wir können unsere Mitmenschen nur lieben, wenn wir uns selbst lieben, habe ich mal gelesen. Ehrlich gesagt, habe ich so ein bisschen meine Schwierigkeiten mit dem Begriff Selbstliebe, deswegen spreche ich lieber von Selbstmitgefühl.


Ähnlich wie unsere Beziehungen Auswirkungen auf unser Wohlbefinden haben, stärkt auch ein gut ausgeprägtes Selbstmitgefühl unsere psychische Gesundheit.


Eine Möglichkeit, dies zu üben, ist die Metta-Meditation, welche ich dir auf meinem Youtube-Kanal hochgeladen habe:





Die Metta-Meditation hat ihren Ursprung im Buddhismus und bedeutet: Freundlichkeit, Herzenswärme und Zuneigung allen Wesen gegenüber. Oder kurz gesagt: die liebende Güte 😍


Und natürlich habe ich mich gefragt, ob denn die Metta-Meditation wirklich einen positiven Einfluss auf unsere psychische Gesundheit hat und habe folgendes gefunden:

Eine regelmäßige Metta-Meditationspraxis kann chronische Schmerzen lindern (Graser & Stangier; 2018), fördert positive Emotionen, vermindert Ängste und steigert die Empathiefähigkeit.


„Selbstmitgefühl funktioniert besser als Schokolade.“

Zitat von Kristin Neff, Professorin für Psychologie



4. Teil: Wie du sozialen Kontakt herstellen kannst.


In meiner Praxis und auch im privaten Umfeld begegne ich immer mal wieder Menschen, welche beklagen, dass sie kaum soziale Kontakte und Freundschaften besitzen und dass sie darunter leiden. Deswegen möchte ich heute gerne ein paar Impulse geben, wie du dir das Bedürfnis nach sozialer Verbundenheit erfüllen könntest:


  1. Lächle fremde Menschen an. Einige werden zurück lächeln.

  2. Tue fremden Menschen etwas Gutes, indem du ihnen die Tür aufhältst oder sie an der Supermarktkasse vorlässt.

  3. Schreibe einer Freundin/einem Freund am Morgen eine Handynachricht und wünsche ihr/ihm einen schönen Tag.

  4. Schreibe jemanden eine Postkarte oder einen Brief.

  5. Zu wem hast du den Kontakt verloren und würdest ihn gerne wieder aufleben lassen? Mach den ersten Schritt!

  6. Sag oder schreibe jemanden, dass du froh bist sie/ihn zu kennen.

  7. Like oder Kommentiere in den sozialen Medien oder im WhatsApp-Status etwas von jemanden.

  8. Vielleicht magst du dich bei etwas, was dir Freude bereitet, ehrenamtlich engagieren.

  9. Auch der Beitritt in einem Verein ist eine Überlegung wert.

  10. Schau regelmäßig in den lokalen Veranstaltungen: Kräuterwanderungen, Töpfern, geführte Stadtbesichtigungen, Tag der offenen Tür,

  11. Durchstöbere mal die Angebote der Volkshochschulen.

  12. Gibt es etwas, mit dem du deinem Nachbarn eine Freude machen könntest?


Ich würde mich sehr freuen, wenn du deine ergänzenden Ideen zu dieser Liste mit mir teilst und hier unter diesem Blogartikel einen Kommentar hinterlässt.



„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“

Zitat von Mahatma Gandhi, indischer Widerstandskämpfer, 1869-1948


„Freundlichkeit ist eine Sprache, die Taube hören und Blinde lesen können.“

Zitat von Mark Twain, Schriftsteller, 1835-1910


Vielen Dank für Deine Zeit! Und hier noch ein abschließender Hinweis: Gute Beziehungen zu haben, ist ein Element, um sich glücklich zu fühlen und an seinem Leben Freude zu haben. Wenn du gerne wissen möchtest, welche Zutaten es noch braucht, um glücklich zu sein und wie du diese Zutaten in deinen Alltag mischst, dann trainiere deine Lebensfreude beim "Lebensfreude-Training" . HIER kommst du zur Anmeldung und erhälst weitere Informationen!


Herzliche Grüße

Wenke Kroschinsky

Psychologische Psychotherapeutin für Verhaltenstherapie


39 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page