• wenkekroschinsky

Wie fühlt sich eine depressive Phase an?

Aktualisiert: 12. Mai 2020

Immer wieder habe ich diese schlechten Tage. Morgens nach dem Aufstehen scheint die Welt noch in Ordnung zu sein und dann passiert irgendwas, und ich kann oftmals gar nicht sagen, was, und meine Stimmung rauscht ins Bodenlose. Es ist, als ob ich in ein tiefes Loch stürze und dort ist es nur noch dunkel und kalt und ich bin allein. Alles um mich herum wirkt glanzlos, alles ist irgendwie hässlich und doof. Ich bin traurig, muss ständig weinen. Meine Gedanken rasen, in meinem Kopf dreht sich alles und ich kann das Gedankenkarussell nicht stoppen. Ich bin gereizt und mich stört die Fliege an der Wand. Oft flippe ich dann bei jeder Lappalie aus und motze die Menschen in meiner Umgebung an, obwohl ich weiß, dass sie gar nichts dafür können. Ich kann mich zu keiner Tätigkeit aufraffen, habe zu nichts Lust und nichts weckt mein Interesse. Dann lege ich mich auf die Couch, ziehe mich völlig in mich selbst zurück und lasse den Tag an mir vorbeiziehen, in der Hoffnung, dass morgen alles besser sein wird. Immer habe ich dann ein schlechtes Gewissen, dass ich wieder ein Tag vertrödelt und nichts geschafft habe. Ich fühle mich dabei so wertlos und unnütz. Ich muss doch so viel erledigen, habe doch eine Verantwortung. Diese Verantwortung lastet so schwer auf mir, erdrückt mich geradezu. Ich befürchte, dass mein Partner mich so nicht mehr ertragen und mich verlassen wird, wenn ich nicht bald wie alle anderen funktioniere und meine Aufgaben auf die Reihe bekomme. Er fragt mich auch immer, was denn los sei, ob er mir irgendwie helfen könne. Doch wie soll er mir denn helfen? Er nimmt mir an diesen Tagen so viel ab und das treibt meine Selbstvorwürfe nur noch mehr an. Ich bin dann so wütend auf mich, dass ich mein Leben und mich nicht hinkriege. Mein Körper steht unter Strom, fühlt sich völlig angespannt und fest an. Ich habe kaum Appetit und den Eindruck, mir drückt es den Magen zusammen. Auch der Hals fühlt sich wie zugeschnürt an. Manchmal habe ich auch das Gefühl, ich bekomme schlechter Luft. Ich bin so unsäglich erschöpft und müde, möchte am liebsten nur schlafen, doch mein Inneres lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Es scheint so, als ob ich den gesamten Weltschmerz an diesen Tagen auf mich nehme, fühle und durchlebe. Und dann kommt da noch die Angst dazu, dass ich jetzt wieder in eine Depression rutschen könnte. Dass ich dann wieder viele Tage und Wochen am Stück extrem niedergeschlagen und lustlos bin. Und dass die ganze Arbeit an mir und meiner Psyche bisher umsonst war und ich nichts gelernt habe und wieder von vorne beginnen muss. Ich hätte dafür keine Kraft mehr. Und dann habe ich Angst, alleine mit all diesen Gedanken und Gefühlen zu sein und niemanden zu haben, der mir da wieder raushilft. Ich versuche, mich an all das Gelernte zu erinnern, meist fällt mir aber nichts ein und wenn doch, dann kann ich mich nicht aufraffen, es umzusetzen. Ich glaube, ich bin ein besonders schwerer Fall und werde wohl meine depressiven Phasen nie wieder los werden. Ich kann es einfach nicht verstehen. Ich verstehe mich nicht. Wie soll da jemand anderes mich verstehen?


Vielen Dank Frau J., dass ich Ihre Gedanken hier anonym veröffentlichen darf.


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Herzliche Grüße,

Wenke Kroschinsky

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